Gudrun1_klein Hier stelle ich ein paar Texte vor (Gedichte und Prosa), auch ein paar Bilder und was sonst so anfällt. Etliches davon sind eher sporadische, nicht "perfekt ausgearbeitete" Sachen, wie es eben der Natur eines Blogs entspricht. -- G.H. (virago aka Melusine)

Gefunden

ImageBanana - Pucki_2.jpg

Hab mal unter "Über mich" geschrieben: Ich kann so tolle Tierportraits nicht. Das bezog sich auf ein Portrait meines Hundes, das nicht von mir stammt. Stimmt auch normalerweise. Mein Hund ist zu lebhaft.

Katzen sind ruhiger und unsere Katze Pucki saß offenbar ganz gern still, um sich portraitieren zu lassen ... nicht, dass sie eitel gewesen wäre, sie war bloß neugierig, was ich da machte ;-).

Mal überlegen wann das war ... vor ca. 25 Jahren wohl. Bisschen weniger vielleicht. Das Foto sieht schauderhaft aus, voller gelb-brauner Flecke ... es wurde damals von einer Bekannten in der eigenen Dunkelkammer entwickelt und sie hatte darin noch nicht genug Übung. Vielleicht ist das Negativ noch brauchbar und ich könnte es neu entwickeln lassen, weiß nicht. Egal, gescannt kommen Fotos sowieso nicht so richtig rüber, aber ... im Orginal ist das das lebendigste Foto von ihr, das es gibt. Ich kann sie direkt wieder um meine Beine streichen spüren und ... mir fällt ein, wie sie mir mal ganz frech direkt vor meiner Nase die Wurst vom Teller geklaut hat, weil ich vergessen hatte, sie zu füttern. Wir guckten grad "Mephisto" mit Klaus Maria Brandauer.

Puksprit

Herr Poet,
wie Ihr seht
fällt hier nichts
was nicht steht.

Paradeis?
Gott, wer weiß.
Das hört nicht
auf Geheiß.

Pornograph
seufzt im Schlaf
das klingt fast
wie ein Schaf.

Mancher Furz
kommt zu kurz
doch was soll's:
Ist mir schnurz.

Heute Nacht
hat mit Macht
in mein Hirn
ein Verdacht
aus der Stirn
sich gelacht
weiche Birn
welche Pracht
dumme Dirn
Übermacht
querkariern
ausgelacht
Herr
Dok
tor
bit
te
ei
ne
Sprit
ze
...


(Dezember 2005)

Leben

Die Kerze brennt
sie brennt an beiden Enden
ich halt sie fest
halt sie in beiden Händen
das Wachs tropft weg
es rinnt mir durch die Finger
am Ende bleibt
der Tod nur der Gewinner


(Mai 2006)

Genüsse

Mund auf, Augen zu, sage ich zu dir
und du lachst
Was ist das, fragst du
Wirst du schon merken, sage ich
und du presst die Lippen zusammen
wie ein trotziges Kind
hat dir dein Bruder etwa
Regenwürmer in den Mund gestopft
als du noch klein warst?
Aber ich gebe nicht nach
und deine Neugier siegt
und du kapitulierst

deine Lider flattern
als ich dir das weiche, fast pelzige kleine Ding
zwischen die unwilligen Lippen schiebe

deine Zunge zittert
wie erschrocken
und betastet es behutsam

endlich
entspannt sich deine Miene
mit einem wohligen Seufzen
verspeist du genüsslich
die erste Himbeere unseres Sommers


(April 2006)

Virtuelle Kerzen

Ich bin nicht "religiös", aber Kerzen anzünden mochte ich immer schon, dazu gehe ich manchmal sogar in eine Kirche, was ich sonst nicht tue. Nun habe ich entdeckt, dass man auch im Internet Kerzen anzünden kann. Das mag seltsam anmuten, aber ... es kommt darauf an, was man daraus macht. Es kann genauso eine spirituelle Handlung sein wie das Anzünden einer Votivkerze in der nächstgelegenen Pfarrkirche.

http://www.gratefulness.org/candles/enter.cfm?l=ger

Durchgangsposten

Solche wie M. sind Durchgangsposten, sagt S. Sie wird es wissen. Bestimmt stimmt es. Und doch ...

Zu viel emotionale Energie investiert, wie immer. Mit meiner Verschwendungssucht an Energie werd ich’s nie weit bringen. Unrationell, würde mein Vater sagen. Ich hasste dieses Wort. Immer. Und wie ich es hasste.

Durchgangsposten.
So als könnte man Menschen auffädeln. Säuberlich. Wie Perlen auf einer Kette, eine nach der anderen, und unten rutschen sie weg, weil der Knoten fehlt.
Ich weiß nicht, warum ich das jetzt denke, aber ich denke es, und der Gedanke stört mich.


[überarbeitete Fassung des ursprünglich gestern eingestellten Posts]

Traum ohne Titel (Rohfassung)

Letzte Nacht hatte ich einen unheimlichen Traum, ich wachte sogar auf davon, was mir selten passiert. Träume kann man schwer beschreiben, sie bestehen aus Bildern und Gefühlen. Dieser war rot. Rot und schwarz und ...

... es war dunkel. Ich lag in meinem Bett, neben mir meine Schwester. Das Zimmer war mein jetziges Wohn-/Schlafzimmer, aber die Umgebung war die meines Elternhauses. Vor dem Fenster war ein unheimliches rotes Licht und ein Geräusch, das mich weckte. Meine Schwester und ich kuschelten uns aneinander, während wir durch die geschlossenen Jalousien beobachteten, was draußen vorging. Rotes Licht hinter dem Wald und ein seltsames Objekt, das direkt vor dem Fenster schwebte und aussah wie ein kleiner Hubschrauber. Es wollte rein, das war irgendwie klar. Meine Schwester sagte zum Hund im Körbchen, dass er ruhig sein soll, obwohl er eh ruhig war, ich wunderte mich darüber. Sonst schien sie mir aber merkwürdig unbeteiligt zu sein und ich dachte „Ich habe Angst“ (ich dachte es wirklich, in einem Text dürfte man sowas nicht, im Traum schon), ich dachte ganz bewusst, dass ich vor Angst zu zittern beginne, Angst davor, dass das seltsame Objekt reinkommen könnte, und dann war es plötzlich da und schwebte direkt über mir und ich weiß noch, dass ich erschrocken (geradezu panisch) keuchte und dabei dachte, dass ich mir das wahrscheinlich nur einbilde, weil es gar nicht möglich ist, das Objekt konnte ja nicht durchs geschlossene Fenster gekommen sein .... und dann war ich wach.
Na ja, jedenfalls soweit wach, dass der Hubschrauber weg war. Das sirrende Geräusch auch. Das rote Licht war noch eine Weile da, weil ich die Augen nicht aufkriegte. Ich überlegte, ob ich aufwachen oder weiterschlafen soll, machte die Augen auf, das Licht war weg und ich entschied mich fürs Weiterschlafen.

Überfall

Gestern gab es in meinem Stamm-Supermarkt, wo ich mindestens einmal wöchentlich einkaufe, einen Überfall. Ich muss gestehen, ich bin immer noch leicht schockiert. Glücklicherweise kam ich ein paar Minuten "zu spät", um das Ereignis live mitzukriegen.

Es war etwa 16:15. Bei uns in Österreich schließen die Geschäfte samstags um 17 Uhr, also schon relativ knapp. Ich brauchte ja auch nur ein paar Kleinigkeiten.

Eben hatte ich nebenan im Drogerie-Supermarkt Hundefutter gekauft, nun wollte ich noch ein wenig Futter für mich selbst und auch was zu trinken. Die Einkaufswagerln stehen draußen. Ich hörte ein Geräusch, das sich für mich anhörte wie wenn jemand Schleim hochzieht, um ihn auszuspucken. Ekelhaft, dachte ich. Kann der Kerl das nicht zuhause am Klo ...

Im Eingang des Geschäfts stand ein junges Mädchen und sagte zu irgendwem, den ich nicht sah: Nein, geh nicht rein.
Drinnen war irgendein komischer Menschenauflauf, ich kapierte nicht was los war. Eigentlich wollte ich einfach meine paar Sachen kaufen - zwei oder drei Semmeln, vielleicht etwas Schinken, ein paar Getränke. Ich war mit meinem Einkaufswagen schon durch die Sperre, als ich mitkriegte, dass da irgendwas passiert sein musste.

Eine Kassiererin lag röchelnd und hustend auf dem Boden, eine andere hockte in den Armen einer Frau (Kundin?) auf ihren Stuhl gestützt, der meterweit von ihrer Kasse entfernt war, und rührte sich nicht. An einer Kasse standen die Kunden noch Schlange, vorn lag ein Haufen Geldscheine.

Ich weiß nicht, warum es bei mir immer noch nicht "klick" machte. Vielleicht war ich zu müde. Vielleicht konnte ich es mir auch einfach nicht vorstellen, dass sowas passiert.

Jemand rief, man müsse die Rettung rufen. Jemand anderer - ich glaube, es war die Filialleiterin - sagte, die Polizei sei schon unterwegs. Die Frau, die der röchelnden und hustenden Kassiererin zur Seite stand, bat (erstaunlich höflich), ob nicht etwa einige der Herren (es standen etliche herum) ihr helfen könnten, die Dame an die frische Luft zu bringen, was dann auch geschah.

Die Frau, die die andere Kassiererin stützte, rief mehrmals nach Wasser, niemand reagierte, dann sagte sie: Dann soll doch bitte mal jemand eine Mineralwasserflasche aufmachen, ich brauche Wasser, um ihr die Hände zu waschen.

Bis dahin war ich erschrocken und wie gelähmt dagestanden, ich kapierte nicht was los war, überlegte, ob ich helfen könnte und wie... ich stand neben dem Regal mit dem Mineralwasser und griff danach, aber da war dann eh schon einer der "Herren" da und holte eine Flasche.

Nachher sagte sie noch: Bitte noch eine Flasche, damit sie auch was zu trinken hat. Wieder war wer anderer schneller.

Ich ging dann halb in Trance mit meinem leeren Einkaufswagen rundherum. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich u.a. den Gedanken hatte: Hoffentlich hat noch wo anders was offen.

Als ich rundherum war und wieder im Kassenbereich angelangt war, war dann auch schon die Polizei da und ließ das Geschäft räumen. Da hörte ich es erstmals: Es hat einen Überfall gegeben. Bitte verlassen Sie das Geschäft. Lassen Sie alles hier.
Ich fragte noch dämlich den Polizisten: Bitte kann ich den Einkaufswagen mit rausnehmen. (Der war leer. Ich wollte meinen Euro wiederhaben.) Er sagte, ja, klar. Ich ging raus und sah noch, dass die ganz junge Kassiererin total erstarrt war, wahrscheinlich unter Schock, und ein Papiertaschentuch oder sowas auf ihre Hand gedrückt war.

Es war noch genug Zeit, ich kaufte woanders ein.

Die Bilder lassen mich nicht los. Diese zwei Frauen, die eine hustend und spuckend, die andere so still ... ich kenne beide. Ich kaufe oft dort ein.

Mir macht das Angst. Meine Hilflosigkeit macht mir Angst. Mehr noch meine Gleichgültigkeit. Wie konnte ich angesichts einer offensichtlichen Katastrophe an den Wochenendeinkauf denken?

Mehr in den Rubriken.

zum Seitenanfang

Neues in der Literarchie

Literarchie RSS Podcast

Das Letzte (Kommentare)

leider
bonanzaMARGOT - 06.05.08 16:37
köstlich!
lylo - 06.05.08 01:02
Dschiesass
Der Ohrenschützer (anonym) - 23.04.08 14:38
Stimmt, war ursprünglich...
virago - 23.04.08 14:32
Yo
Der Ohrenschützer (anonym) - 23.04.08 13:12

Lesezeichen


Peter Fenkart (Hg.)
Groteske Welt

Dein Userstatus

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Weblog Status

Start: 22.09.2006
Online seit 595 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 15:49

Klickliste

Vote for me @ Dulzinea Charts - Literatur

Zweitblog

Literarchieblog

Linkbutton

Creative Imperfection


Aktuelles
Gedichtetes
Gesehenes
Getextetes
Geträumtes
Kulinarisches
Texte zum Tag
Verworfenes
Webzeugs
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren