Abschied
Verloren stand sie da und starrte in den Nebel. Längst waren die Schlusslichter des Zuges nicht mehr zu sehen. Ihre Augen tränten. Der Wind trieb ein paar braune Blätter über den leeren Bahnsteig. Irgendwo bellte ein Hund.
Fröstelnd schlug sie den Mantelkragen hoch und machte sich auf den Heimweg.
Auf dem Küchentisch standen die Kaffeetassen vom Frühstück. In einer war noch ein Schluck übrig. Sie hob die Tasse an die Lippen, schmeckte sein Rasierwasser. Der kalte Kaffee war eklig.
Sein Lachen hing noch in der Luft, das Kopfkissen lag zusammengeknuddelt auf dem ungemachten Bett, auf dem Couchtisch im Wohnzimmer stand die ausgetrunkene Weinflasche, daneben zwei Gläser. Zwei.
Wann kommst du wieder? – Wenn die Hyazinthen blühen.
Es würde ein langer Winter werden.
virago
- 26.10.2006 18:16
- Getextetes


