Leben

Die Kerze brennt
sie brennt an beiden Enden
ich halt sie fest
halt sie in beiden Händen
das Wachs tropft weg
es rinnt mir durch die Finger
am Ende bleibt
der Tod nur der Gewinner


(Mai 2006)

bonanzaMARGOT - 26.02.2008 19:12

spontan

fällt mir dazu ein, weil du die beiden enden der zigarette - ne, der kerze erwähnst - dass der tod an beiden enden ist. am stumpf war er bereits. und am docht arbeitet er, bis man eben kein leben mehr in den händen hält.

bon.


ps: vielleicht ist der tod dreigesichtig, oder das leben ist dreigesichtig, oder leben und tod sind zwei seiten einer medaille; und was wir als leben empfinden, ist der wackelige zustand, wenn die medaille auf der kante steht.
virago - 26.02.2008 20:51

Ich hatte dieses Gedicht

vor fast zwei Jahren für jemanden geschrieben, den ich kannte. Diese Person schien tatsächlich wie eine Kerze, die an beiden Enden brannte. Jetzt kam es mir zufällig wieder unter. Bisher hatte ich es niemandem gezeigt.

Danke für deine Antwort! Sie sagt zwar nichts darüber, ob der Text halbwegs gut ist, aber... wenigstens hat er dich offenbar zum Nachdenken angeregt :).
schmollfisch - 27.02.2008 09:53

Rein praktisch gesehen

stelle ich mir bei diesem bildhaften Gedicht die Frage, wie man etwas mit "beiden Händen" festhalten kann, was an zwei Seiten brennt. Aber vielleicht ist dieses fragile Festhalten unter ständiger Verbrennungsgefahr genau das richtige Bild für das Leben ...
Ich denke dabei auch an den Bösewicht in "Highlander", der sagt: "Es ist besser auszubrennen als zu verlöschen."
Gruß vom schmollfisch (brennt immer nur an einem Ende)
virago - 27.02.2008 17:30

Kommt drauf an,

wie groß die Kerze ist. Meine Vorstellung war freilich weniger praktisch orientiert sondern... ich dachte mehr an ein Auffangenwollen. Es ist schwer, jemanden aufzufangen, der wie eine Kerze ist, die an beiden Enden brennt. "Besser ausbrennen als verlöschen" empfinde ich auch als schönes Bild. Die Kerze, die an beiden Enden brennt, ist was anderes als "a candle in the wind", obwohl Marilyn Monroe, für die dieses Lied ursprünglich geschrieben wurde, wohl auch eher ausgebrannt als einfach verlöscht ist.

Ich war und bin übrigens sehr unsicher bei Reimgedichten, die ernst gemeinte Inhalte haben. Das rutscht so leicht ins Kitschige... deshalb hab ich das ja auch nie hergezeigt. Jetzt war mir halt irgendwie danach :).
sophilina - 01.03.2008 12:14

Zur Frage, ob solche Gedichte sich reimen sollten oder nicht:
Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ich hab den Eindruck, dass das Reimschema in deinem Gedicht irgendwie ein Tempo reinbringt, was ich sehr passend finde. Das Feuer frisst die Kerze an beiden Enden auf, es geht so schnell und man kann nichts dagegen tun.
Ich finde nicht, dass es dadurch kitschig wirkt. Mir gefällt es, so wie es ist.
Gruß, Sophilina

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bonanzaMARGOT - 06.05.08 16:37
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Der Ohrenschützer (anonym) - 23.04.08 14:38
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