Dosenfutter

Spargel aus dem Glas - das geht gar nicht. Lese ich gerade mal wieder. Ach ja? Aber frischer Spargel im Dezember, aus Uruguay importiert, das geht? Und räuchert ihr euren Lachs eh brav selber, nachdem ihr ihn selbstverständlich eigenhändig gefangen habt? Euren Beluga-Kaviar esst ihr auch nur ganz frisch aus dem soeben geöffneten Leib einer Störin?

Saure Gurken gehen ja auch gar nicht. Denke ich. Denn als Ersatz für frische Salatgurken sind sie denkbar ungeeignet. Frische Salatgurken muss man doch eh nicht aus Holland importieren, sie werden in einheimischen Glashäusern gezogen. Niemand muss bei uns in Essig oder Salzlake vergurken.

Deshalb sage ich: Nieder mit den Essiggurkerln! Nieder mit dem Dosenspargel! Ein Hoch auf alles Echte und Unverfälschte!

Zuletzt noch ein Insider-Tipp: Echte Feinschmecker kaufen natürlich keinen aus Uruguai importierten Spargel, sondern reisen ins Erzeugerland, um ihn dort gleich frisch auf dem Feld zu verspeisen.

Hesiod (Gast) - 31.12.2011 10:42

Ach ja, die lieben Freunde der Authentizität... Das ist gerade bei Nahrungsmitteln dermaßen lächerlich.

Vor der ersten Welle der "Transport-Revolution" - also vor den 1830/40er Jahren mit dem Aufkommen der Eisenbahn - hätte sich niemand leisten können, das kalorienarme, aber verderbliche Luxusgut Spargel in großem Stil in Schwetzingen oder Argenteuil anzubauen, einfach, weil er es nicht nach Stuttgart oder Paris hätte transportieren können.

Also: Sowohl der Spargel aus Uruguay als auch der in der Dose als auch schon der aus einem 50 km entfernten Ort sind ohne die diversen industriellen Revolutionen der letzten 150 Jahre nicht denkbar...

Sich über Dosenspargel aufzuregen, ist also echt was für grüne Lehrersgattinnen.

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