Gedichtetes

Übersicht

Linsengedicht
Nachbarn
Puksprit
Leben
Genüsse
Immer wenn man auf die Uhr schaut ist Dienstag
[Ohne Titel] (So.)
Eines
Das Ding
Du bist tot
Abgehakt
Wortlos
Berührungen
Nicht so
Tu mir weh
Der Narr
Du gehst
Namenlos
Gesternfeuer
Schwanentanz
Verbunden
Wie Orpheus
Spät
Herbst
[o.t.] (heckenrosig)
Weißt du noch ...

Linsengedicht

oder: Für 'n Augappel und 'n Eye


Ach, ich will sie nicht verlieren,
die Kontakte zu den Linsen.
Deshalb nun auf allen Vieren
kriech ich rum. Jetzt muss ich grinsen.
Meine Sicht ist voller Schlieren.
Kein Wunder, die Brille is mal wieder total verschmiert, ich seh ja rein gar nix!
Dies Gedicht ging in die Binsen.


eye_specialist glasses

Nachbarn

Der eine Nachbar, der war achtbar,
der andre saß oft in der Nachtbar,
sogar wenn's nicht einmal noch acht war.
Der erste hatte den Verdacht gar,
dass sein Nachbar da ganz nackt war,
was man aber erst nach acht sah,
weil doch die Nacktbar überdacht war.

Am Morgen fragt der Nackte: Nicht wahr,
Sie war’n enttäuscht, dass man mich nicht sah.
Der andere empörte sich gar
sehr, wirklich, das sei nicht wahr,
er sei kein Spanner, doch bei Licht war
des andern Nacktheit deutlich sichtbar,
weil doch das Nachtbardach nicht richtig dicht war.



Vorgetragen vom Ohrenschützer:
http://ohrenschuetzer.podspot.de/post/nachbarn/

Puksprit

Herr Poet,
wie Ihr seht
fällt hier nichts
was nicht steht.

Paradeis?
Gott, wer weiß.
Das hört nicht
auf Geheiß.

Pornograph
seufzt im Schlaf
das klingt fast
wie ein Schaf.

Mancher Furz
kommt zu kurz
doch was soll's:
Ist mir schnurz.

Heute Nacht
hat mit Macht
in mein Hirn
ein Verdacht
aus der Stirn
sich gelacht
weiche Birn
welche Pracht
dumme Dirn
Übermacht
querkariern
ausgelacht
Herr
Dok
tor
bit
te
ei
ne
Sprit
ze
...


(Dezember 2005)

Leben

Die Kerze brennt
sie brennt an beiden Enden
ich halt sie fest
halt sie in beiden Händen
das Wachs tropft weg
es rinnt mir durch die Finger
am Ende bleibt
der Tod nur der Gewinner


(Mai 2006)

Genüsse

Mund auf, Augen zu, sage ich zu dir
und du lachst
Was ist das, fragst du
Wirst du schon merken, sage ich
und du presst die Lippen zusammen
wie ein trotziges Kind
hat dir dein Bruder etwa
Regenwürmer in den Mund gestopft
als du noch klein warst?
Aber ich gebe nicht nach
und deine Neugier siegt
und du kapitulierst

deine Lider flattern
als ich dir das weiche, fast pelzige kleine Ding
zwischen die unwilligen Lippen schiebe

deine Zunge zittert
wie erschrocken
und betastet es behutsam

endlich
entspannt sich deine Miene
mit einem wohligen Seufzen
verspeist du genüsslich
die erste Himbeere unseres Sommers


(April 2006)

Immer wenn man auf die Uhr schaut ist Dienstag

Draußen schneit’s Schusterbuben
der Matsch liegt drei Meter hoch, er quillt schon beim Fenster rein
machen Sie was, sag ich zum Hausmeister, der aber
hat wie üblich Besseres zu tun
zu allem Überfluss hat der Supermarkt ums Eck
heute wegen Diktatur geschlossen
und mein Dreirad hat Dachschaden
wieder einmal Dienstag
immer wenn man auf die Uhr schaut ist Dienstag.

Das Telefon läutet, niemand geht ran
endlich meldet sich ein Anrufbeantworter: Er sei der Osterhase
jetzt vor Weihnachten brauche er dringend frische Eier
was soll das, denke ich, ich bin doch kein Huhn
rufe aber trotzdem zurück
und entschuldige mich schon mal vorab für alle Unannehmlichkeiten
die Anrufbeantworterin lächelt matt, ich kann es hören
sie glaubt mir natürlich kein Wort
wie denn auch, schließlich ist Dienstag.

Im Baum gegenüber hockt ein geisteskranker Buntspecht
(letzte Woche haben sie ihn geholt; heute ist er wieder da)
und hackt auf meinen blank gescheuerten Nervenenden rum
als ich sage, er soll aufhören
grinst er bloß frech
Dienstag, seufze ich,
immer wenn man auf die Uhr schaut ist Dienstag.

Im Radio melden sie eben
das letzte singhalesische Känguru
sei auf einer deutschen Landstraße mit einem PKW kollidiert
der Fahrer war ein Dichter
er selbst ist unverletzt
für seine Gedichte aber
kam jede Hilfe zu spät
sie verstarben noch an der Unfallstelle
ich sehe auf die Uhr
natürlich ist wieder einmal Dienstag.


(Dezember 2005 / Februrar 2007)

[Ohne Titel]

So.


Es war einmal
eine
es war eine Frau.
Es war einmal eine Frau.
Sie ging und suchte.
Sie ging und suchte Opfer.
Sich.
Sie ging und suchte sich Opfer.
Sie ging und suchte sich als Opfer.
Sie ging.

Sie kam.
Sie kam oft und gern.
Sie kam oft und gern wieder.
Sie kam gern.
Sie kam oft.
Sie kam wieder.

Sie ging als.
Sie kam und.
Sie.


Dann.

Eines

Eines Tages werde ich in einem kühlen Garten sitzen
unter Bäumen
auf einer weißen Bank
und ich werde schöne Gedichte malen
und Bilder schreiben.

Und niemand wird fragen
woher das Papier
und wohin der Tag.

Und sie werden kommen
und werden sie nehmen
und werden sie zwischen Glasplatten pressen
und zwischen Buchdeckel sperren
bis der Klang
sich verliert.

Und zu Natascha
werden sie sagen
über die Tante
spricht man nicht.

Das Ding

IIIIIIIIICCCCCCCCCHHHHHHHHH
quiekt das Ding, das komische, wenn ich es
anpuste.
Ich hab’s aus diesem
Warenhaus für Merkwürdigkeiten, dort
gibt es noch mehr solch seltsame Sachen.

Es ist rot. Meistens. Jedenfalls oben.
Oder vorne, oder wie das halt
bei solchen Dingern heißt.
Manchmal hat es eine Kapuze auf, das
sieht komisch aus. Ehrlich.

Reinbeißen kann man
schon, sollte man aber
besser nicht.

Ich habe gelesen, dass
auch Kartoffeln
schreien.


(Feb. 2007)



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;) Zesteur ... ist nicht...
;) Zesteur ... ist nicht das das selbe wie Zestenreißer?...
virago - 2009/11/08 01:50
Danke für den tip,...
Danke für den tip, das muß ich unbedingt...
Harki (Gast) - 2009/11/07 21:58
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Zuletzt aktualisiert: 08.11.2009 01:51

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