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    <title>Creative Imperfection : Rubrik:Getextetes</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>virago</dc:publisher>
    <dc:creator>virago</dc:creator>
    <dc:date>2007-10-30T14:10:21Z</dc:date>
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    <title>Creative Imperfection</title>
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  <item rdf:about="http://creatimp.twoday.net/stories/4330390/">
    <title>Inhaltsverzeichnis</title>
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    <description>&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/4138936/&quot;&gt;Repetitive Strain Injury&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/3593167/&quot;&gt;Eine Protagonistin verweigert die Mitarbeit&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/3359679/&quot;&gt;Nur ein Tropfen Salz&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/3086884/&quot;&gt;Ein Engel mit B - die etwas andere Weihnachtsgeschichte&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/3043366/&quot;&gt;Kindheitstage - Mit Pfeil und Bogen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/2863350/&quot;&gt;Abschied II&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/stories/2855819/&quot;&gt;Abschied&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>virago</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/topics/Getextetes&quot;&gt;Getextetes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 virago</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-08T12:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://creatimp.twoday.net/stories/4138936/">
    <title>Repetitive Strain Injury</title>
    <link>http://creatimp.twoday.net/stories/4138936/</link>
    <description>Was hast du denn da an der Hand?, fragte er in eine Gesprächspause hinein.&lt;br /&gt;
Zur Begrüßung hatten wir uns umarmt; nun saßen wir uns an dem klobigen Holztisch gegenüber, fast zwei Meter voneinander entfernt. Vermutlich fiel es ihm auf, weil ich beim Reden gestikulierte.&lt;br /&gt;
Och, das, sagte ich und hob beiläufig meine Linke. Sehnenscheidenentzündung.&lt;br /&gt;
Die Sportbandage war schwarz und sah beinahe punkig aus  nicht so krank wie eine hautfarbene elastische Binde, außerdem bequem mit einem Handgriff an- und abzulegen.&lt;br /&gt;
Kommt vom Tippen.&lt;br /&gt;
Oh weh. Schlimm?&lt;br /&gt;
Nein, bloß lästig. Leider kommt das immer wieder, seit ich es zum ersten Mal hatte. Am besten sollte ich ja gar nicht tippen ...&lt;br /&gt;
Hm. Musst du das Ding denn ständig tragen?&lt;br /&gt;
So lang bis es wieder abheilt schon, ja. Ist besser so.&lt;br /&gt;
Zu dumm. Das ist doch deine Wichshand, oder?&lt;br /&gt;
Was? Ich musste lachen. Wie kommst du denn jetzt darauf?&lt;br /&gt;
Äh, tschuldige. Ist mir bloß so rausgerutscht.&lt;br /&gt;
Eben wollte ich sagen, dass Frauen doch gar nicht wichsen, als mir die Bedeutung aufging.&lt;br /&gt;
Er grinste sein unwiderstehliches Jungengrinsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(August 2006)</description>
    <dc:creator>virago</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/topics/Getextetes&quot;&gt;Getextetes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 virago</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-05T22:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://creatimp.twoday.net/stories/3593167/">
    <title>Eine Protagonistin verweigert die Mitarbeit</title>
    <link>http://creatimp.twoday.net/stories/3593167/</link>
    <description>Ich kann nicht, sagte sie.&lt;br /&gt;
Was kannst du nicht? Ich war irritiert.&lt;br /&gt;
Die Hauptrolle in deiner Geschichte spielen.&lt;br /&gt;
Häh? Wie meinst du das? Ich hab dich schließlich erfunden, also ...&lt;br /&gt;
Ja, schon, aber du hast mich falsch erfunden. Verstehst du nicht? Ich bin keine, die eine Hauptrolle spielt. Gib mir eine Nebenrolle, dann bin ichs zufrieden.&lt;br /&gt;
Das geht nicht. Wer soll denn dann die Hauptrolle übernehmen?&lt;br /&gt;
Das musst du schon selber wissen. Schließlich bist du der Autor.&lt;br /&gt;
Autorin, bitte schön. Verdammt noch mal, so kommen wir nicht weiter. Also was jetzt: Spielst du mit oder nicht?&lt;br /&gt;
Nur, wenn ich nicht die Hauptrolle spielen muss. Das liegt mir nicht.&lt;br /&gt;
Das heißt also: Nein. Ich seufzte. Mist. Nun muss ich also alles umschreiben.&lt;br /&gt;
Na klar. Und zwar schreibst du meine Rolle bitte so: Eine zurückhaltende, schüchterne Einzelgängerin, die &lt;br /&gt;
Hey! Jetzt halt aber mal die Luft an! Wer ist hier die Autorin: Du oder ich?&lt;br /&gt;
Na du doch. Aber wenn du nicht ordentlich spurst, muss dir ja einer sagen, wos lang geht.&lt;br /&gt;
Vergiss es. Du bist draußen.&lt;br /&gt;
Moment mal! Eine Nebenrolle will ich aber schon! Das steht mir zu, schließlich bin ich wichtig für deine Geschichte!&lt;br /&gt;
Nichts da. Ganz oder gar nicht.&lt;br /&gt;
Aber ...&lt;br /&gt;
Schreib dich gefälligst selber! Wütend schloss ich das Schreibprogramm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte, wie mich ihre Augen hinter geschlossenen Dateifenstern hervor anstarrten.&lt;br /&gt;
Schließlich tat ich, was getan werden musste.</description>
    <dc:creator>virago</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/topics/Getextetes&quot;&gt;Getextetes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 virago</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-16T16:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://creatimp.twoday.net/stories/3359679/">
    <title>Nur ein Tropfen Salz</title>
    <link>http://creatimp.twoday.net/stories/3359679/</link>
    <description>Sie lauert im Hintergrund auf einen jener unbewachten Augenblicke, da das Lachen schweigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam gehe ich über die Brücke. Angekettet am gusseisernen Geländer parkt ein altes Fahrrad. Es parkt da jeden Tag. Im trockenen Teil des Flussbettes fährt ein Mann in seinem Rollstuhl. Ich erkenne ihn an der Rottweilerhündin, die ihm vorausläuft. Er plagt sich auf dem unebenen Gelände und ich frage mich flüchtig, wie er da wohl runter gekommen ist, nicht, dass es wichtig wäre. Die Fußgängerampel am Ende der Brücke steht wie immer auf Rot. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Rückweg springt sie mich an. Noch ehe ich das alte Fahrrad erreiche. Alle Hände voll mit Einkaufstaschen und ich kann mich wie immer nicht wehren. Noch fünfhundert Meter, meine Füße finden den Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann wird sie aufhören. Im Grunde hat sie gar keine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ein Tropfen Salz auf meiner Haut.</description>
    <dc:creator>virago</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/topics/Getextetes&quot;&gt;Getextetes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 virago</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-23T23:46:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://creatimp.twoday.net/stories/3086884/">
    <title>Ein Engel mit B  die etwas andere Weihnachtsgeschichte</title>
    <link>http://creatimp.twoday.net/stories/3086884/</link>
    <description>Fürchte dich nicht, denn ich verkünde dir große Freude, sagt meine kleine Schwester. Siehe, du bist nun nach langjähriger Beziehung erstmals zu Weihnachten alleine, doch ich will mich deiner erbarmen, denn dein Unglück dauert mich. Komm, ach komm in meine Arme und verbringe das Frohe Fest zusammen mit mir und den Eltern meines Freundes, welche sich schon innigst danach sehnen, dich endlich kennen zu lernen. Fünfzehn hoffnungsfrohe Kinderlein warten darauf, von dir beschenkt zu werden, ein Tannenbaum harret deiner mit bunten Lichtlein und Kugeln und Wunderkerzen, du darfst sogar beim Schmücken helfen und auch beim Kekse backen. Ach. Engel singen Jubellieder, es frohlocket meine Seele und preiset den Herrn in den höchsten Tönen, denn es ist ein Wunder geschehen. Auch mein 42. Weihnachten (ich zähle jetzt mal das mit, welches ich im Bauch meiner Mutter erlebte, immerhin war ich da schon ein ganz ansehnlicher Embryo) wird nicht einsam sein. Verdammte Scheiße, wie soll ich mich da rausreden, ohne die armen Leutchen tödlich zu beleidigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versteht mich bitte nicht falsch: Ich mag meine Schwester. Ich mag sie wirklich sehr. Aaaaber. Ich meine  ich kenne ihre Schwiegerleute gar nicht. Und ich hatte mich doch schon so darauf gefreut, endlich, endlich, endlich mal friedliche Weihnachtsfeiertage verbringen zu können, fern aller Verpflichtungen, einfach ruhig und entspannt, ohne Tannenbaum und Kerzen und all den Scheiß, Heiligabend einfach ignorieren, das wollte ich die ganzen letzten Jahre seit meine Eltern tot sind oder eigentlich sogar schon vorher, aber immer kam irgendwas dazwischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teufel noch mal, ICH HASSE WEIHNACHTEN!!! Ich hasse es schon seit meiner späten Kindheit, seit ich aufgehört habe an das Christkind zu glauben (die österreichische Variante des Weihnachtsmanns) und daran, dass zu Weihnachten alle friedlich sind. Ich hasse es, seit meine Eltern ausgerechnet am Heiligen Abend immer streiten mussten und mein Vater meine Großmutter regelmäßig rausschmiss und allerspätestens seit meine Mutter zum ersten Mal besoffen umkippte, noch bevor der Weihnachtsbaum geschmückt war, und nur das geschwisterlich wohleinstudierte Blockflötenduett den tannenadelduftenden bienenwächsernen Abend vor einem besoffen gegrölten Stille Nacht rettete, wenn schon nicht vor einem angebrannten Weihnachtsbraten; damals war ich fünfzehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß Gott, was da bei meiner Schwester schief gelaufen ist, warum hasst sie Weihnachten nicht auch? Und was ist bei mir falsch gelaufen, dass ich einfach nicht Nein sagen kann? Immerhin bin ich eine erwachsene Frau. Ich stelle mich vor den Spiegel und sage zu meinem Spiegelbild: Nein. Es funktioniert ganz problemlos. Dann versuche ich dasselbe am Telefon  am anderen Ende der Leitung ist meine Schwester  und was dabei herauskommt ist: Na ja, ich weiß nicht so recht, verstehst du, ich ... Also ich wollte doch eigentlich ... Mist, warum ist es bloß so verdammt schwer, eine einzelne Silbe zu artikulieren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines weiß ich bestimmt: Ich will und werde Weihnachten nicht mit den Schwiegereltern meiner Schwester feiern. Bloß, wie soll ich das anstellen? Ich brauche eine Ausrede. Sicher, notfalls kann ich immer noch krank werden, aber ich hätte gern eine elegantere Lösung. Verreisen wäre eine. Aber wohin verreist man allein zu Weinachten? Was für eine blöde Idee. Vielleicht könnte ich ja &lt;i&gt;so tun&lt;/i&gt; als würde ich verreisen. Aber ich bin eine hundselendiglich schlechte Lügnerin und meine Schwester kennt mich zu gut. Ich sehe mich schon am Heiligabend mit schlechtem Gewissen zu Hause hocken und so tun, als hätte ich Schüttelfrost und mindestens soviel Grad Fieber wie ich Jahre zähle, und am Morgen kommt Schwesterchen dann nachgucken und ich muss bestimmt mindestens ein halbes Stück Seife fressen oder Zahnpasta oder Kaffee mit Salz oder wie gingen noch all die dummen Geschichten, die wir damals in der Schule nicht wagten, auszuprobieren? Von einem in Tee getauchten Fieberthermometer lässt sich mein Schwesterchen, das neunmal so klug ist wie jeder Doktor, bestimmt nicht überzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch mit einem Mal tut sich der Himmel auf und eine Lösung fällt mir buchstäblich auf den Kopf. Jemand, der mich schon lange besuchen will, hat, wie sich zeigt, auch nichts übrig für Weihnachten, noch hat er Besseres vor. Schwupps, schon hab ich die perfekte Ausrede: Schwesterlein, nicht böse sein, ich lass wen andren bei mir ein. Besucher haben selten Lust, zu Verwandtenbesuchen mitgeschleppt zu werden. Selbst Schwestern kapieren das. Scheiß auf die Butterkekse  statt dessen endlich mal Butter bei die Fische (&lt;i&gt;den&lt;/i&gt; Ausdruck hab ich freilich erst unlängst gelernt und meine Schwester würde ihn unter Garantie nicht verstehen, er ist ganz und gar unösterreichisch): Weihnachten. Findet. Heuer. Nicht. Statt.  Nicht bei mir jedenfalls. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seufz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlich. Wie einfach das Leben doch manchmal sein kann. Ich glaube wieder an Engel. Auch wenn derjenige bestimmt keiner ist. Na ja, vielleicht einer mit einem B vorne dran. Ein Weihnachts(b)engel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember 2005

&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>virago</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://creatimp.twoday.net/topics/Getextetes&quot;&gt;Getextetes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 virago</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-20T00:27:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://creatimp.twoday.net/stories/3043366/">
    <title>Kindheitstage  Mit Pfeil und Bogen</title>
    <link>http://creatimp.twoday.net/stories/3043366/</link>
    <description>Die Sache mit der Ming-Vase war natürlich ein Unfall. Zu meinem fünften Geburtstag hatte ich Pfeil und Bogen bekommen und beim Ausprobieren schoss ich unglücklicherweise die Vase ab. Natürlich hätte ich im Salon nicht spielen dürfen. Dennoch: Wozu stellt man Wertgegenstände auf den Kaminsims? Hätte die kostbare Vase nicht besser in einer Vitrine Platz gefunden?&lt;br /&gt;
Genaugenommen fiel sie ja auch nicht dem Pfeil zum Opfer. Dieser war, wie hätte es anders sein sollen, nicht mit einer Spitze, sondern mit einem Saugnapf versehen; Fünfjährige bekommen selten Mordinstrumente in die Hand. Der Pfeil saugte sich an der Vase fest und blieb haften (ein hervorragender Schuss, falls ich in diese Richtung gezielt hätte)  und ich hatte doch nur drei davon.&lt;br /&gt;
Der Kaminsims war ziemlich hoch. Ich konnte meinen Pfeil nicht erreichen. Also schleppte ich einen Stuhl herbei und kletterte hinauf. Nun ging es. Ich zog; die Vase hielt den Pfeil fest und wollte ihn nicht hergeben; das war dumm von ihr, denn ich war stärker und sie rutschte über die Kante. Für einen Augenblick war es noch eine Vase, die fliegen konnte; im nächsten Moment war sie verschwunden und die Marmorfliesen vor dem Kamin zierte ein buntes Mosaik. Die Verwandlung ging fast lautlos vonstatten  ein zartes, melodisches Klirren, mehr nicht.&lt;br /&gt;
Ich starrte ratlos auf das Wunder, dann auf den Zauberpfeil in meiner Hand. Ob man damit wohl auch ein Mosaik in eine Vase verwandeln konnte? Zwar war das Mosaik viel hübscher, aber etwas sagte mir, dass die Großen das nicht so sehen würden.&lt;br /&gt;
Gerade als ich von meinem Hochstand herunterkletterte, um mein Werk aus der Nähe zu betrachten, kam Jamie ins Zimmer.&lt;br /&gt;
Hier steckst du also!, rief er. Nanny sucht dich schon im ganzen Haus. Geh lieber rasch hinauf, bevor sie ...  Oh, nein! Was hast du angestellt?&lt;br /&gt;
Gar nichts. Sie ist runtergefallen. Ich kann nichts dafür.&lt;br /&gt;
Mein elfjähriger Bruder fand an der adaptiven Logik dieser Aussage nichts auszusetzen. Dinge fielen eben herunter. Er nickte, kniete sich hin und nahm zwei der größeren Scherben in die Hand.&lt;br /&gt;
Wir müssen sie kleben, bevor jemand was merkt, sagte er.&lt;br /&gt;
Glaubst du, das geht?, fragte ich zweifelnd.&lt;br /&gt;
Sicher geht das, wir müssen nur alle Teile einsammeln. Wie beim Puzzeln. Komm, hilf mir.&lt;br /&gt;
Nach ein paar Minuten musste er allerdings zugeben, dass es doch nicht gehen würde: Die Scherben waren viel zu klein und wir konnten nicht herausfinden, wie sie zusammenpassten&lt;br /&gt;
Was wolltest du denn überhaupt damit?&lt;br /&gt;
Gar nichts. Ich wollte bloß meinen Pfeil wiederhaben.&lt;br /&gt;
Wieso, war der reingefallen?&lt;br /&gt;
Nein, angepickt. Ich hab dran gezogen und da fiel sie runter, einfach so. Dabei sah sie so schwer aus.&lt;br /&gt;
Oh. Na ja. Wenn niemand merkt, dass wir hier waren, denken sie vielleicht, sie ist von allein heruntergefallen, meinte er optimistisch.&lt;br /&gt;
Er stellte den Stuhl an seinen Platz zurück und nahm mich bei der Hand. In diesem Augenblick ging die Tür auf. Es war Nanny.&lt;br /&gt;
Ihre geübten Augen erfassten die Situation mit einem Blick: Zwei erschrockene Jungen, eine abgängige Vase, Scherben vor dem Kamin  ein Kapitalverbrechen war begangen worden.&lt;br /&gt;
Wer von euch beiden war das?, fragte sie drohend.&lt;br /&gt;
Ich senkte schuldbewusst den Blick.&lt;br /&gt;
Da sagte Jamie zu meiner Überraschung: Ich, Maam. Dabei drückte er meine Hand.&lt;br /&gt;
Du?, fragte Nanny mit hochgezogenen Brauen.&lt;br /&gt;
Ja, Maam. Ich  ich wollte David doch bloß zeigen, wie man mit Pfeil und Bogen schießt.&lt;br /&gt;
Ich hatte gar nicht gewusst, dass mein artiger großer Bruder so geschickt lügen konnte.&lt;br /&gt;
Ach, sagte Nanny. Es klang, als würde sie ihm nicht glauben.&lt;br /&gt;
Das war nicht weiter erstaunlich. Wenn in diesem Haus etwas umkippte, herunterfiel oder sonst Schaden nahm, gab es einen festen Kreis von Tatverdächtigen: Klein-David, die Siamkatze und das Dienstmädchen  in dieser Reihenfolge. Wären Jamie und ich nicht im Salon erwischt worden, hätte die Katze sicher widerspruchslos die Schuld auf sich genommen; sie war fast so viel wert wie die zerbrochene Vase (was sie auch wusste) und wäre mit einer milden Rüge davongekommen. Ohnehin war sie mir noch einen Gefallen schuldig: Ich hatte sie erst am Tag zuvor aus der Küche kommen sehen, den Schwanz arrogant in die Höhe gereckt, die rosa Zunge eifrig damit beschäftigt, ihre schmale, hochmütige Schnauze zu säubern. Sie ließ sich sogar dazu herab, mir verschwörerisch zuzublinzeln. Keine Sorge, Duchesse, versicherte ich ihr, ich petze nicht. Sie reckte Kopf und Schwanz noch etwas höher, so als wolle sie sagen: Das würde ich dir auch raten, du kleiner Nichtsnutz, und stolzierte von dannen. Aber wenn man sie ausnahmsweise einmal hätte brauchen können, war ihre Gnaden natürlich nirgendwo in der Nähe. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich vertrauensvoll auf meinen Bruder zu verlassen.&lt;br /&gt;
Nanny schickte ihn ohne weiteren Kommentar auf sein Zimmer, um seine Hausaufgaben zu machen, und beorderte mich ins Kinderzimmer zurück. Es kam mir merkwürdig vor, dass sie kein Wort über das Missgeschick verlor. Zwei Stunden später jedoch, als mein Vater nach Hause kam, hatte ich den Vorfall längst wieder vergessen. Umso überraschter war ich, in sein Arbeitszimmer gerufen zu werden.&lt;br /&gt;
Jamie war schon dort. Auf dem Schreibtisch, sorgfältig auf Papier ausgebreitet, lag das von mir produzierte Ming-Puzzle.&lt;br /&gt;
Mein Vater sah uns beide streng an und sagte: So, jetzt will ich von euch hören, was vorgefallen ist  und keine Ausflüchte, bitte.&lt;br /&gt;
Ich machte gerade den Mund auf, um die Untat zu gestehen, doch Jamie kam mir zuvor.&lt;br /&gt;
Ich wars, Sir, log er tapfer. Ich habe die Vase kaputtgemacht.&lt;br /&gt;
Ich hielt erschrocken den Atem an. Das war Blasphemie! Nanny anzulügen war eine Sache, doch Papa war fast wie Gott, und wenn man Gott anlog, kam man in die Hölle, das wusste doch jedes Kind.&lt;br /&gt;
Wie ist das passiert?, fragte mein Vater.&lt;br /&gt;
Nun war es aber höchste Zeit, etwas zu unternehmen, ehe mein Bruder sich noch tiefer in Lügen verstrickte. Ich wollte nicht, dass er in die Hölle kam.&lt;br /&gt;
So war es nicht, Papa, sprudelte ich heraus. (Ich sagte Papa mit der Betonung auf dem zweiten A  Nanny hatte diesen Vornehmheitstick.) Jamie wollte mir bloß helfen, sie wieder heil zu machen, aber wir konnten die Teile nicht zusammenbekommen. Aber man kann sie wieder heil machen, ganz bestimmt!&lt;br /&gt;
Was hattet ihr überhaupt im Salon zu suchen?&lt;br /&gt;
Nichts, sagte ich kleinlaut. Ich hab mich vor Nanny versteckt. Sie wollte mir nicht erlauben, meinen neuen Bogen auszuprobieren.&lt;br /&gt;
So! Hatte ich dir nicht gesagt, dass du damit warten musst, bis wir in zwei Wochen nach Long Beach fahren?&lt;br /&gt;
Ich nickte und ließ den Kopf hängen.&lt;br /&gt;
Und du, James  was fällt dir ein, mich anzulügen!&lt;br /&gt;
Es tut mir leid, Sir, sagte Jamie leise.&lt;br /&gt;
Das sollte es auch. Komm her!&lt;br /&gt;
Zögernd trat Jamie näher. Mein Vater schob seinen Stuhl vom Schreibtisch weg, zog Jamie über seine Knie und versetzte ihm ein paar kräftige Schläge auf den Hosenboden. Jamie fing an zu weinen.&lt;br /&gt;
Heul nicht, befahl mein Vater, während er ihn wieder aufrichtete. So ein großer Junge  pfui, schäm dich!&lt;br /&gt;
Pflichtschuldigst mühte sich Jamie, sein wohl mehr erschrockenes als schmerzerfülltes Schluchzen zu unterdrücken.&lt;br /&gt;
Papa griff hinter den Schreibtisch und holte Bogen und Pfeile hervor, die Nanny mir nach dem Zwischenfall abgenommen hatte.&lt;br /&gt;
Sieh genau her, David, sagte er. Das passiert, wenn man ungehorsam ist.&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten begann er, mein neues Spielzeug über seinem Knie zu zerbrechen. Ein Pfeil  das war okay. Der Pfeil hatte die Vase kaputt gemacht, also wurde er selber kaputt gemacht. Das verstand ich. Doch dann zerbrach er noch einen. Ich schluckte. Jetzt war nur noch einer übrig. Als er auch den in die Hand nahm, rief ich: Bitte nicht, Papa! Doch er knickte ihn wie ein Streichholz.&lt;br /&gt;
Der Bogen war etwas zäher; er plagte sich damit.&lt;br /&gt;
Nein!, schrie ich und stampfte mit dem Fuß auf. Der Bogen brach knackend entzwei.&lt;br /&gt;
Was war das?&lt;br /&gt;
Du hast meinen Bogen kaputt gemacht! Du hast es absichtlich getan! Du bist gemein!&lt;br /&gt;
Mein Vater stand wortlos auf und öffnete seinen Gürtel.&lt;br /&gt;
Sir!, rief Jamie. David ist doch noch ein Baby!&lt;br /&gt;
Ich bin kein Baby!, protestierte ich. Ich bin schon fünf.&lt;br /&gt;
Komm her, befahl mein Vater.&lt;br /&gt;
Ich gehorchte.&lt;br /&gt;
Er hob mich auf, legte mich über seinen Schoß und zog mir die Hosen herunter. Dann schlug er ein paar Mal mit dem Gürtel auf meinen nackten Po. Es tat weh, aber ich biss die Zähne zusammen. Ich war schon ein großer Junge. Papa hatte gesagt, dass große Jungen nicht heulten.&lt;br /&gt;
Hör auf zu zappeln, befahl er. Wirst du jetzt brav sein?&lt;br /&gt;
Nein! Du hast meinen Bogen kaputt gemacht!&lt;br /&gt;
Das machte ihn wütend. Er schlug kräftiger zu. Nun fing ich doch an zu weinen. Jamie schrie, er solle aufhören. Da schob er mich von sich, stand auf und schnappte sich Jamie. Ich hockte schluchzend auf dem Boden, während meinem großen Bruder dieselbe Behandlung zuteil wurde wie mir. Erst fand ich es tröstlich, dass auch er dabei weinte, doch als Papa nicht aufhörte, kriegte ich es mit der Angst. Ich rappelte mich hoch, lief zur Tür, riss sie auf und brüllte aus Leibeskräften: Mama! Mama! Im nächsten Augenblick packte mich mein Vater am Genick und warf die Tür zu. Jamie war gerettet, aber ich war verloren.&lt;br /&gt;
Zu meinem Glück kam nach wenigen Minuten meine Mutter herein und stoppte ihn. Ich fand nie heraus, wie sie das machte; meistens hörte er nicht auf sie, aber manchmal brauchte sie ihn bloß anzusehen. Das war einer dieser Momente.&lt;br /&gt;
Sie nahm mich in die Arme, trug mich hinauf in mein Zimmer und legte mich ins Bett; dabei streichelte und küsste sie mich die ganze Zeit und sprach beruhigend auf mich ein. Sie behandelte meinen wunden Po mit Salbe und Eis und sang mir irische Lieder vor und erzählte mir alte Märchen von Feen und Elfen und Kobolden und dann bekam ich leckere Sachen zu essen. Mein Bruder war elf und ebenfalls zum ersten Mal so richtig verdroschen worden, aber um ihn kümmerte sich niemand; der ganze Haushalt  einschließlich der gestrengen Nanny  war damit beschäftigt, das Nesthäkchen zu trösten.&lt;br /&gt;
Es dauerte ein paar Tage, bis die Striemen soweit verheilt waren, dass ich wieder sitzen konnte, aber das machte nichts: Dafür wurde ich von hinten und vorne bedient und erfreute mich dazu noch der bewundernden Anerkennung meiner älteren Geschwister. Was konnte ich mir Besseres wünschen? Als Jüngster war ich an nachsichtige Duldung gewöhnt und daran, weggeschickt zu werden, weil ich störte. Stellte ich ein Frage, hieß es meistens: Das verstehst du nicht, dazu bist du noch zu klein. Hatte ich etwas Neues gelernt und war stolz darauf, pflegte meine Schwester zu sagen, sie könne es viel besser. Wenn ich einwandte, dass ich doch noch klein war, behauptete sie, sie hätte das schon viel früher gekonnt als ich. Dagegen ließ sich nichts sagen. Meine Erinnerung reichte nicht weit genug zurück. Woher sollte ich wissen, ob es stimmte, dass sie schon mit vier ihre Schuhbänder zu perfekten Schleifen binden konnte? Ich war ja damals noch ein Wickelkind gewesen. Wir stimmten darin überein, dass man Erwachsenen in solch heiklen Fragen nicht trauen konnte, und Jamie konnte sich nie an irgendwas erinnern. Da sie außerdem stärker war als ich, blieb mir meist nichts anderes übrig, als nachzugeben. Unsere kleinen Kämpfe wurden außerdem mit ungleichen Waffen geführt: Als Mädchen durfte sie zwicken und kratzen, was ich als Junge natürlich nicht durfte. Ich akzeptierte die Regeln, aber es wurmte mich trotzdem. Fünfjährige sind schlechte Verlierer.&lt;br /&gt;
Nun war ich plötzlich ihr gegenüber im Vorteil. Sie hatte große Angst davor, verhauen zu werden (was ohnehin fast nie vorkam) und gab zu, dass sie bestimmt ganz fürchterlich geweint hätte. Jamie erklärte, ich hätte mich gehalten wie ein Mann, und sie glaubte ihm. Ich war auf Wolke sieben und bereit, jede Schandtat zu begehen, um meinen Triumph zu wiederholen. Was war schon ein bisschen Schmerz im Vergleich zu so viel Anerkennung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(erstmals publiziert Oktober 2005)
&lt;br /&gt;</description>
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    <title>Abschied II</title>
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    <description>&lt;br /&gt;
Ja. Ja, verdammt.&lt;br /&gt;
Du sollst fahren.&lt;br /&gt;
Was denn sonst. Es war immer dein Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mist.&lt;br /&gt;
Das sagt sich so leicht.&lt;br /&gt;
Und jetzt ....?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgestandener Kaffee in Frühstückstassen.&lt;br /&gt;
Die Erinnerung an einen scheißkalten Bahnsteig an einem nebeligen Novembertag.&lt;br /&gt;
Blödsinn. Es ist Mai. Meine Fantasie spielt mir wieder mal Streiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deine abgenudelte, offene Zahnpastatube im Bad.&lt;br /&gt;
Wie ich das hasse. Ich habs dir nie gesagt. Ich hasse es, hörst du!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bett ist noch warm.&lt;br /&gt;
Quatsch. Es kann ja gar nicht mehr warm sein. Das bilde ich mir bloß ein. Es ist Stunden her, seit du weg bist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Scheiße.&lt;br /&gt;
Ich will nicht heulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das blöde Zeug klebt noch immer am Fenster. Was war das gleich? Oh, Window-Color. Von deiner kleinen Nichte. Ich will das nicht, es ist mein Fenster, meine Wohnung, verdammt!&lt;br /&gt;
Und nun muss ichs wohl dran lassen, bis du wiederkommst.

&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
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    <title>Abschied</title>
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    <description>&lt;br /&gt;
Verloren stand sie da und starrte in den Nebel. Längst waren die Schlusslichter des Zuges nicht mehr zu sehen. Ihre Augen tränten. Der Wind trieb ein paar braune Blätter über den leeren Bahnsteig. Irgendwo bellte ein Hund.&lt;br /&gt;
Fröstelnd schlug sie den Mantelkragen hoch und machte sich auf den Heimweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Küchentisch standen die Kaffeetassen vom Frühstück. In einer war noch ein Schluck übrig. Sie hob die Tasse an die Lippen, schmeckte sein Rasierwasser. Der kalte Kaffee war eklig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Lachen hing noch in der Luft, das Kopfkissen lag zusammengeknuddelt auf dem ungemachten Bett, auf dem Couchtisch im Wohnzimmer stand die ausgetrunkene Weinflasche, daneben zwei Gläser. Zwei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann kommst du wieder?  Wenn die Hyazinthen blühen.&lt;br /&gt;
Es würde ein langer Winter werden.
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
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