Geträumtes

Traum ohne Titel (Rohfassung)

Letzte Nacht hatte ich einen unheimlichen Traum, ich wachte sogar auf davon, was mir selten passiert. Träume kann man schwer beschreiben, sie bestehen aus Bildern und Gefühlen. Dieser war rot. Rot und schwarz und ...

... es war dunkel. Ich lag in meinem Bett, neben mir meine Schwester. Das Zimmer war mein jetziges Wohn-/Schlafzimmer, aber die Umgebung war die meines Elternhauses. Vor dem Fenster war ein unheimliches rotes Licht und ein Geräusch, das mich weckte. Meine Schwester und ich kuschelten uns aneinander, während wir durch die geschlossenen Jalousien beobachteten, was draußen vorging. Rotes Licht hinter dem Wald und ein seltsames Objekt, das direkt vor dem Fenster schwebte und aussah wie ein kleiner Hubschrauber. Es wollte rein, das war irgendwie klar. Meine Schwester sagte zum Hund im Körbchen, dass er ruhig sein soll, obwohl er eh ruhig war, ich wunderte mich darüber. Sonst schien sie mir aber merkwürdig unbeteiligt zu sein und ich dachte „Ich habe Angst“ (ich dachte es wirklich, in einem Text dürfte man sowas nicht, im Traum schon), ich dachte ganz bewusst, dass ich vor Angst zu zittern beginne, Angst davor, dass das seltsame Objekt reinkommen könnte, und dann war es plötzlich da und schwebte direkt über mir und ich weiß noch, dass ich erschrocken (geradezu panisch) keuchte und dabei dachte, dass ich mir das wahrscheinlich nur einbilde, weil es gar nicht möglich ist, das Objekt konnte ja nicht durchs geschlossene Fenster gekommen sein .... und dann war ich wach.
Na ja, jedenfalls soweit wach, dass der Hubschrauber weg war. Das sirrende Geräusch auch. Das rote Licht war noch eine Weile da, weil ich die Augen nicht aufkriegte. Ich überlegte, ob ich aufwachen oder weiterschlafen soll, machte die Augen auf, das Licht war weg und ich entschied mich fürs Weiterschlafen.

Taxi to Hell

Sie taumelt in meine Arme, irgendwas stimmt nicht. Ich weiß nicht was los ist. Ich muss sie beschützen. Zu viele Menschen hier. Wir brauchen ein Taxi. Ich winke. Der Wagen ist frei, aber er hält nicht. Keiner hält. Wir laufen. Sie hat keine Schuhe und kann nicht weiter, ihre Füße bluten. Ich gebe ihr meine. Weiter, nur weiter! Wir müssen uns beeilen. Die Menschenmassen sind erdrückend, ich möchte nur weg, weg, aber ich kann sie nicht im Stich lassen, nicht jetzt. Weiter, immer weiter, der Schleier meines Halbbewusstseins ist fast am Zerreißen, raus aus diesem Traum, denke ich, aber dann hält ein Wagen und ich blicke an mir runter, zerrissene Kleider, bloßfüßig, von Kopf bis Fuß verdreckt, er wird uns nicht mitnehmen, denke ich, aber er muss! Jemand winkt und ich steige ein, sie will weiterrennen aber dreht doch um und klettert auf den Beifahrersitz, der gewinkt hat war gar nicht der Taxifahrer sondern ein Fahrgast, ich sitze jetzt neben ihm. Ins Krankenhaus? fragt er. Eigentlich wollte ich nach Hause, aber – klar, wir müssen ins Krankenhaus. Der Portier winkt uns durch. Schnell, schnell, sie warten schon. Aber wir kommen nie an, wir kommen nie an, wir kommen nie an.



(Überarbeitete Fassung einer Traumbeschreibung, erste Niederschrift war Anfang 2006, wann der Traum war weiß ich nicht mehr)

Ein unfertiger Text (geträumt)

Ich sitze in einem Seminarraum und schreibe einen Text. Es ist eine Klausurarbeit. Das Schreiben geht mir gut von der Hand und wie es scheint, auch allen anderen. Die Atmosphäre ist entspannt, wirkt gar nicht wie eine Prüfungssituation. Die Fenster sind gegen den grellen Sonnenschein leicht abgedunkelt. Wir sind vielleicht etwa dreißig Leute, der Raum hat die Größe und den Charakter einer Schulklasse und ich schreibe auch den Text wie einen Schulaufsatz.
Einer meiner Mitstudenten gibt seinen Text ab. Erste Unruhe entsteht. Der Dozent beruhigt: Wir hätten noch eine Viertelstunde, weil wir ja mit dem akademischen Viertel begonnen hätten.
Ich habe den Eindruck, noch jede Menge Zeit zu haben, und gehe kurz hinaus. Ich bin durstig. Vor dem Seminarraum stehen Tische mit Getränken, wie bei Tagungen üblich.
Außerdem stehen da einige Leute herum, die offenkundig warten. Ich sage ihnen, dass die Klausur nicht pünktlich, sondern cum tempore begonnen hätte und deshalb noch nicht zu Ende sei. Die Wartenenden wirken ungeduldig. Es war offenbar anders angekündigt.

Ein wenig entfernt in dem breiten Flur des Universitätsgebäudes, nahe der Treppe, steht Reinhard. Er hat mich zwar bemerkt, beachtet mich aber nicht weiter. Ich überlege flüchtig, ob ich die unfertige Arbeit abgeben soll, damit er nicht warten muss; aber das wäre ein Fehler, die Arbeit ist wichtig. Also sage ich auch ihm, dass es leider noch etwas dauern wird. Es scheint ihn aber gar nicht interessieren. Ich frage, ob er denn auf mich warten wird. Er schüttelt stumm den Kopf.
Auf einmal ist mir die Sache peinlich. Wie dumm von mir. Er ist ja gar nicht meinetwegen hier. Nun blickt er die Treppe hoch, so, als würde er damit rechnen, dass die, auf die er wartet, jeden Augenblick herunterkommen wird. Richtig, er wartet natürlich auf meine Mutter. Sie hat sich wohl ebenfalls verspätet. Dennoch wird sie früher da sein als ich, und ich weiß: Die beiden werden nicht auf mich warten.

Ich muss zurück in den Seminarraum. Der Fruchtsaft im Tetrapack ist zu dick, ich habe ihn mit Wasser verdünnt, aber er stillt noch immer nicht meinen Durst.
Nun wird mir klar, dass die Zeit zu knapp geworden ist. Mein Text ist noch nicht fertig, der Schluss fehlt. Doch mir fällt nichts mehr ein. Ich bin jetzt nervös. Um mich herum Unruhe. Alle anderen geben ihre Texte schon ab. Der Dozent drängt zwar nicht, aber ich weiß, dass ich nicht mehr weiterschreiben kann.
Ich muss ja auch noch die Seiten aus dem Schulheft heraustrennen. So dumm, warum habe ich den Text nicht in einen Kollegblock geschrieben, das ginge leichter. Die ersten Seiten schrieb ich noch auf lose Blätter. Warum ich dann zum Heft überging, ist mir unbegreiflich. Außerdem wusste ich gar nicht, dass der Text so lang geworden ist. Seite um Seite trenne ich heraus, so sorgfältig wie möglich, damit es ordentlich aussieht. Es wird ein dicker Packen.
Dabei denke ich die ganze Zeit verzweifelt: Aber er ist ja noch gar nicht fertig! Der Schluss fehlt!
Der Dozent wirft einen kurzen Blick darauf und meint: Aber warum denn, ist doch ohnehin alles da, was wollen Sie? Ich sage, dass Schlüsse immer schon meine Schwäche gewesen seien. Er beschwichtigt: Viele Autoren hätten den Eindruck, ihre Texte seien nicht fertig; ihm gehe es selbst immer wieder so. Ich sei ja außerdem wirklich gut. Er sehe da kein Problem.

Aber er versteht nicht. Es geht mir doch gar nicht um Erfolg oder eine gute Note. Es ist einfach unerträglich, dass der Text so dasteht, ohne einen richtigen Schluss. Er endet mit drei Punkten ...


(Anmerkung: "Reinhard" heißt eigentlich anders.)

Du flogst zum Mond in einem Luftballon

Du warst auf dem Mond. Ganz begeistert bist du beim Zurückkommen. Der Ausblick im All – einfach traumhaft. Auf den Bildern, die du mir zeigst – oder ist es ein Film? – sehe ich dich eingerollt in Embryonalstellung in einer Art Glaskugel. Ein Ballon sei das, erklärst du mir. Die Umgebung ist blau. Dunkelblau, aber nicht so dunkel, wie ich mir das Weltall vorgestellt hatte. Eher leuchtend.
Gleich willst du noch mal los und ich soll mitkommen, sagst du.

Das stürzt mich in ein Dilemma. Ich finde es toll, dass du mich mitnehmen willst, aber – eine Reise ins All? Das macht mir Angst.
Da ist noch etwas. Bin ich nicht zu schwer? Der Ballon ist doch gar nicht für zwei gebaut.
Noch wage ich nicht, dir meine Bedenken mitzuteilen. Bestimmt wirst du mich für feige halten.

Es läutet an der Tür. Das wird der Mann sein, der die Mondreise organisiert. Ich folge dir nervös in den Flur und denke, dass ich ihn unbedingt gleich wegen meines Gewichts fragen muss. Peinlich, aber wohl unvermeidlich. Hoffentlich kann ich ihm die Frage so stellen, dass du es nicht hörst.
Doch als du öffnest, mustert mich der Mann, der draußen steht, mit sichtlichem Befremden, so als wolle er sagen: Was will die denn hier?
Auf einmal fühle ich mich überzählig. In deiner Begeisterung beachtest du mich gar nicht mehr. Ich schäme mich meiner Aufdringlichkeit und ziehe mich unauffällig zurück.

Später sitze ich mit dem Fremden, der jetzt kein Fremder mehr ist, sondern Bernhard oder Bernd heißt und wie ein besorgter Freund wirkt, im Wohnzimmer. Er versucht mir taktvoll zu erklären, warum ich nicht mitkommen könne. Ach, ich wusste es ja ohnehin gleich, dass ich zu schwer bin. Da braucht er nicht erst lang um den heißen Brei herumzureden.
Aber das ist es gar nicht. Zu dritt, meint er, sei es eben nicht möglich.
Wieso jetzt auf einmal zu dritt? Ich verstehe nicht.
Geduldig erklärt mir Bernd, dass deine Begleiterin schon seit Längerem feststehe. Sie habe auch schon für den Mondflug trainiert. Daisy heißt sie, sieht aber aus wie Minnimaus mit ihrem gläsernen Kugelhelm. Bernd sagt irgendwas von „außen andocken“ und ich begreife vage, dass er meint, ich könne vielleicht außerhalb des Ballons, in dem du mit Minnimaus oder eigentlich Daisy sitzen wirst, mitfliegen, mit einem eigenen Kugelhelm über dem Kopf.
Die Idee gefällt mir nicht. Nein, lieber bleibe ich zu Hause.

Als nächstes überlegt Bernd – offenbar um eine befriedigende Lösung bemüht – dass ich ja eventuell an Daisys Stelle mitfliegen könnte. Er erklärt mir das Training: Ich müsste zwei Wochen mit dir in einer winzigen Kugel verbringen, eng umschlungen, unbeweglich und in völliger Dunkelheit – eine Art Eignungstest. Und zwar unmittelbar vor dem Abflug. Letzteres scheint mir den Stress unnötig zu erhöhen; ich getraue mich aber nicht, zu fragen, warum man denn keine Pause dazwischen machen könne. Egal. Es hat ohnehin keinen Zweck: Niemals würden wir es zwei Wochen auf so engem Raum miteinander aushalten.

Ob aus deiner zweiten Mondfahrt dann noch was wurde und wer, wenn überhaupt jemand, mitgeflogen ist, weiß ich leider nicht – denn an dieser Stelle wachte ich auf.



(Oktober 2006)



Ergänzung 7.3.07:

MondflugMondflug von Dorothea Koch Dieses Bild (hier nur als Ausschnitt dargestellt) fand ich duch Zufall und es "illustriert" meinen Traum geradezu perfekt. Die Schöpferin des Kunstwerks, Dorothea Koch, gab mir freundlicherweise ihre Genehmigung, es hier zu verlinken. Ein Klick auf das Minibild führt zu einer größeren Darstellung auf ihrer Website, http://www.dorotheakoch.de/



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